10.11.2004: Vortrag und Diskussion Itamar Marcus, Palestinian Media Watch (Jerusalem)

Mobilmachung gegen Israel
Die palästinensische Gesellschaft im Spiegel ihrer Medien
Vortrag und Diskussion mit
Itamar Marcus, Palestinian Media Watch (Jerusalem)

Nicht nur in Deutschland, im gesamten alten Europa ist der Blick auf die
palästinensische Gesellschaft geprägt von Verzerrungen. Vor dem Hintergrund
der Sympathie für ein durch den Staat Israel „gedemütigtes Volk“, dessen
Ziele man als die eigenen erkennt, hat sich eine flächendeckende
Legendenbildung durchgesetzt. Üblich ist es, noch die Massenmorde der
Selbstmordbomber als pure Verzweiflungstaten zu rechtfertigen, die Israel selbst zu
verantworten habe.
Zu diesen Legenden gehört auch die Behauptung von einer klaren Trennung
zwischen der palästinensischen Gesellschaft und den terroristischen
Aktivisten:
Jenseits des Terrors soll der Ort einer Kultur sein, die nur das Leid von
Besatzung und Krieg zu verarbeiten sucht; da sei das palästinensische
Bildungswesen ein Hort aufgeklärt-kritischen Denkens und geradezu ein
Paradebeipiel für einen „islamischen Weg in die Moderne“; da sei der
„zivile“ Flügel der Hamas mit seinem sozialen Engagement; da sei der
Friedensnobelpreisträger Arafat, der nichts vom Terror weiß, oder
alternativ: eine gegen Korruption und Misswirtschaft protestierende „Opposition“.
Ausgeblendet oder geleugnet wird jegliche Realität, die diese Annahmen und
die ihnen zugrunde liegende Behauptung eines fundamentalen Unterschiedes
zwischen Antisemitismus und Antizionismus in Zweifel ziehen könnte.

Um diese Realität soll es auf der Veranstaltung gehen:
Wie steht es wirklich um die palästinensische Gesellschaft? Was liest,
sieht, hört und denkt die „normale Bevölkerung“?
Wie ist es bestellt um die „kritischen Intellektuellen“, die hierzulande
gerne als Beweis für die Existenz eines anderen Palästinas angeführt
werden?

Wie stehen die Kritiker Arafats zu Antisemitismus und Terror und wie
verhalten sie sich zu Hinrichtungen von sogenannten Kollaborateuren, also
der Ermordung von Schwulen, Prostituierten und Menschen, die ihr privates
Interesse über das des Kollektivs stellen?
In welchem Verhältnis stehen Wohlfahrt und „soziales Engagement“ zur
antisemitischen Ideologie und zur Terror-Intifada, die jede ökonomische
Perspektive zerstört?
Wie wird der Terror gegen Israel in offiziellen palästinensischen Medien
dargestellt, und welches Verhältnis von „ziviler“ PA-Politik und
Islamismus wird daraus deutlich?

Itamar Marcus ist Direktor von Palestinian Media Watch (PMW) in Jerusalem.
PMW besteht seit 1996 und untersucht die Verfasstheit der Autonomiebehörde
und der palästinensischen Gesellschaft. PMW dokumentiert offizielle
Verlautbarungen und Predigten ebenso wie Artikel aus Zeitungen der
palästinensischen Gebiete und anderen palästinensischen Medien.
Zeitungsberichte, Filme und auch Schulbücher werden systematisch übersetzt und ausgewertet.
Thematisch reicht das Spektrum von politischen Beiträgen über Literatur
bis zu Sport und Kreuzworträtseln. PMW will ein umfassendes Bild davon gewinnen,
wie die palästinensische Gesellschaft dem Staat Israel, den Juden und einem
Friedensprozess gegenübersteht.

www.pmw.org.il

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