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Der Iran und die Bombe

Bekenntnisse gegen Rassenhass und Antisemitismus werden wohl von einer großen Mehrheit der Deutschen unterstützt. Ebenso gehört die Ablehnung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum gesellschaftlichen Konsens: Offene Nationalsozialisten oder Geschichtsrevisionisten werden geächtet, zu Recht.
Wie aber verhält sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der sogenannten Meinungsmacher aus Politik, Kultur und Wissenschaft angesichts aktueller Bedrohungen durch totalitäre Regimes?
Das Beispiel Iran scheint hier aufschlussreich zu sein.

Mit islamistischer Ideologie, die die Einführung der Scharia und die Etablierung einer islamischen Theokratie propagiert, sind die mit der Französischen Revolution einhergegangenen Fortschritte wie Säkularisierung, Meinungsfreiheit, Menschenrechte etc. nicht vereinbar. Diese sind schließlich von Menschen gemacht und stehen deswegen im Widerspruch zu Allahs Geboten, die Mohammed direkt empfangen hat.
Verantwortlich für die Französische Revolution (wie auch für die kommunistische Oktoberrevolution und den 2. Weltkrieg und vieles mehr) seien die Juden. Nachzulesen ist das übrigens u.a. in der Charta der palästinensischen Hamas, Artikel 22 ( ->http://elsinore.cis.yale.edu/lawweb/avalon/mideast/hamas.htm ).
Mächtige Juden, die die Welt erzittern lassen um ihre zionistischen Interessen durchzusetzen. So simpel, so widerlich, so wenig neu.

Seit den iranischen Parlamentswahlen am 17. Juni 2005 steht ein Träger dieser Ideologie an der Spitze der größten Militärmacht des mittleren Ostens. Nun haben Menschen die glauben, dass Juden für alle möglichen Übel in der Welt verantwortlich sind, zum ersten Mal seit 1945 wieder die reale Möglichkeit, einen Massenmord an Juden durchzuführen.
Mit Mahmud Ahmadi-Nedschad ist ein Mann, der die Zerstörung Israels offensiv propagiert, iranischer Präsident geworden.
Verklärt von Europas kritischem Dialog ist im Iran vieles bereits umgesetzt, wovon Islamisten träumen: Steinigungen vermeintlicher Ehebrecherinnen und Homosexueller, Massenaufmärsche fanatisierter Menschen unter deren Beifallstürmen die Zerstörung Israels angekündigt wird.

Unverständlich scheint angesichts dieser Entwicklung, wenn deutsche Friedensfreunde in einem angeblich bevorstehenden Angriff auf den Iran die größere Gefahr sehen und de facto für den Erhalt des Mullahregimes auf die Strasse gehen. Wenn der kritische Dialog mit dem Iran eines gezeigt hat, dann dass er nicht funktioniert. Die iranischen Herrscher haben sich an kaum einen der vielen internationalen Verträge gehalten. Im Gegenteil: Die Verhandlungen waren einzig Mittel zum Zeitgewinn. So gab der Unterhändler Hussein Mussavian am 5. August 2005 in einem Interview des iranischen Senders „Kanal 2” offen zu, dass die Atomanlage in Isfahan nur dank der Verhandlungen mit Europa fertiggestellt werden konnte.

Ein mit Nuklearwaffen ausgerüstetes Mullahregime würde einen Atomkrieg wahrscheinlicher als zu den frostigsten Zeiten des kalten Kriegs werden lassen. Natürlich wäre auch Europa von diesem direkt betroffen: Die Reichweite der iranischen Raketen wird permanent verbessert und erreicht mit 2000 km bereits Südosteuropa.
Somit muss das Streben des Iran nach der Bombe gestoppt werden. Die Frage nach Wirtschaftssanktionen sollte hier kein Tabuthema bleiben. Deutschland als größter Lieferant von Maschinen gerade auch für die Erdölindustrie könnte die finanzielle Basis des Regimes, die Erdöleinnahmen, empfindlich treffen. Das Beispiel Weißrusslands zeigt, dass dieses Mittel durchaus noch als Werkzeug gegen Unrechtsregimes anzusehen ist. Da aber der Iran für die deutsche Exportindustrie der wichtigste Markt im Mittleren Osten ist, wird die deutsche Politik diesen Weg wohl kaum einschlagen. Hier kann nur auf eine Entscheidung der Vereinten Nationen gehofft werden.
Eine Unterstützung der iranischen Oppositionsbewegung und ein Machtwechsel wären natürlich begrüßenswert.
Die Welt kann nur menschlicher und friedlicher werden mit einem Iran der nicht von antisemitischen Fanatikern regiert wird.

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